Gedenkstätte Bullenhuser Damm

Gedenkstätte Bullenhuser Damm

Gedenkstätte Bullenhuser Damm – ein Schulhaus als Tatort und Erinnerungsort

Wenn du das Backsteingebäude am Bullenhuser Damm betrittst, wirkt zunächst vieles vertraut: ein ehemaliges Schulhaus, Flure, Treppen, Klassenräume. Doch genau hier wurden im April 1945 zwanzig jüdische Kinder ermordet – ein Verbrechen, das bis heute zu den erschütterndsten Kapiteln der Hamburger NS-Geschichte zählt. Die Gedenkstätte Bullenhuser Damm macht diesen Ort nicht nur sichtbar, sondern verständlich. Sie erzählt von medizinischen Menschenversuchen, von Vertuschung und von der jahrzehntelangen Suche nach Wahrheit. Der Besuch ist still, konzentriert und persönlich. Du bewegst dich durch Räume, die Geschichte nicht nur dokumentieren, sondern tragen.

Die wichtigsten Fakten zur Gedenkstätte Bullenhuser Damm

NameGedenkstätte Bullenhuser Damm
Eröffnung 1980
SchwerpunktNS-Verbrechen
StadtteilRothenburgsort
Eintrittkostenfrei
ParkplätzeJa
Barrierefreiteilweise

Das erwartet dich an der Gedenkstätte Bullenhuser Damm

  • Die Geschichte von zwanzig Kindern: Im Mittelpunkt stehen die Biografien der Kinder, die aus verschiedenen europäischen Ländern nach Neuengamme deportiert und für medizinische Experimente missbraucht wurden.
  • Medizinische Menschenversuche: Du erfährst, wie und warum im Konzentrationslager Neuengamme Tuberkulose-Experimente durchgeführt wurden und welche Rolle Ärzte dabei spielten.
  • Der Tatort im Keller: In den ehemaligen Kellerräumen wird deutlich, wie das Verbrechen in den letzten Kriegstagen organisiert wurde.
  • Erinnerung und Aufarbeitung: Dokumente und Interviews zeigen, wie Angehörige über Jahrzehnte um Anerkennung und Gerechtigkeit kämpften.

Gedenkstätte Bullenhuser Damm:Verbrechen der letzten Kriegstage

Die Gedenkstätte ist eng mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme verbunden, da die hier ermordeten Kinder ursprünglich im Konzentrationslager Neuengamme inhaftiert waren. Dort führte der SS-Arzt Dr. Kurt Heißmeyer Tuberkulose-Experimente an Häftlingen durch. Im November 1944 ließ er dafür gezielt zehn Jungen und zehn Mädchen im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren aus dem Konzentrationslager Auschwitz nach Neuengamme bringen.

In Isolation gefangen, wurden sie mit dem Erreger infiziert und anschließend medizinisch missbraucht. Zwei französische Häftlingsärzte und zwei niederländische Häftlingspfleger waren Teil dieser Experimente und für die Kinder zuständig.

Als der Krieg wenige Tage vor seinem Ende stand, galt es, diese schrecklichen Verbrechen zu vertuschen. Somit fiel der Entschluss, die Menschen in das Schulgebäude am Bullenhuser Damm zu bringen, wo sie dann an der Nacht vom 20. April 1945 von SS-Männern getötet wurden - ebenso wie  24 weitere sowjetische Häftlinge.

Biografien gegen das Vergessen

Um den Opfern eine Art Stimme zu geben und die distanzierte Anonymität zu nehmen, hängen großformatige Porträts der Kinder in den ehemaligen Klassenräumen. Zudem werden die Lebensgeschichten einzeln vorgestellt: Herkunft, Familie, Deportationsweg, Tod.

Besonders eindrucksvoll ist der Übergang vom helleren Ausstellungsbereich in die Kellerräume, in denen die Verbrechen stattfanden. Anhand von Texte, Fotos und Originaldokumenten kannst du dort mehr erfahren - auch über die Verantwortlichen. 

Nach dem Gang durch die Innenräume kannst du in den Rosengarten gehen. Dort bekommst du die Möglichkeit, das Gesehen sacken zu lassen, aber auch deinen Respekt zu zeigen, indem du Rosen pflanzt


Tipp: Die Ausstellung „Zeitspuren“ und die weiteren Ausstellungen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme kannst du auch online in der Mediathek digital abrufen.

Was macht die Gedenkstätte Bullenhuser Damm so einzigartig?

  • Fokus auf ein konkretes Verbrechen
  • klare Benennung der Opfer und Täter.
  • Authentizität, weil es sich um einen historischen Tatort handelt
  • Verbindung von Schulhaus, Keller und Ausstellung

[Video] Mahnmal für ermordete Kinder und Gefangene am Bullenhuser Damm in Hamburg

Vom Schulgebäude zur internationalen Erinnerungsstätte

Das Gebäude wurde in den 1920er Jahren als Schule errichtet und während des Zweiten Weltkriegs zeitweise zweckentfremdet genutzt. Nach 1945 wurde das Gebäude zunächst wieder als Schule genutzt, ohne dass das Verbrechen umfassend öffentlich thematisiert wurde.

Erst 1980 setzte sich die Vereinigung „Kinder vom Bullenhuser Damm“ dafür ein, hier ein Mahnmal entstehen zu lassen. Angehörige und Unterstützer wollten verhindern, dass das Verbrechen im ehemaligen Schulgebäude in Vergessenheit gerät.

1999 übernahm die Stadt Hamburg die Trägerschaft und band den Ort organisatorisch an die KZ-Gedenkstätte Neuengamme an. Die Ausstellung wurde inhaltlich weiterentwickelt und 2011 neu eröffnet. Seitdem führt sie dich zweisprachig durch die Geschichte des Gebäudes: vom Schulalltag vor dem Krieg über seine Nutzung als Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme bis hin zu den medizinischen Experimenten, den Morden im April 1945 und dem langen Ringen um juristische Aufarbeitung nach 1945.
 

Weitere wichtige Informationen zur Gedenkstätte Bullenhuser Damm

Wann hat die Gedenkstätte Bullenhuser Damm geöffnet?

  • Sonntag: 10:00 – 17:00 Uhr
  • und nach Vereinbarung
  • Rosengarten: immer geöffnet
  • 24.– 25.12, 31.12 – 1.1.: geschlossen

Was kostet der Eintritt in die Gedenkstätte Bullenhuser Damm?

Der Eintritt ist frei!

Die Gedenkstätte Bullenhuser Damm in Zahlen

  • Ermordung der 20  jüdischen Kinder am 20. April 1945
  • Einrichtung der Gedenkstätte 1980
  • Bau des Schulgebäudes in den 1920er Jahren
  • 1 historischer Tatort im Kellergeschoss

Anschrift Gedenkstätte Bullenhuser Damm: Bullenhuser Damm 92, 20539 Hamburg

Routenplaner: So kommst du zur Gedenkstätte Bullenhuser Damm

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln

Du fährst mit der S-Bahn-Linie S2 bis zur Haltestelle Rothenburgsort. Am Bahnhof nimmst du den Ausgang Billhorner Mühlenweg. Von dort gehst du geradeaus in die Straße Bullenhuser Damm und folgst ihr etwa 700 Meter. Auf der rechten Seite erreichst du das Backsteingebäude mit der Hausnummer 92.

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